Feminismus
Natürlich bin ich Feministin.
Nicht, weil ich glaube, dass Frauen die besseren Menschen sind, sondern weil ich der Überzeugung bin, dass niemand aufgrund seines Geschlechts (übrigens auch nicht aufgrund der Hautfarbe oder der Herkunft) eingeschränkt werden darf.
Auch volkswirtschaftlich ist es Unfug, wenn nicht alle ihre Fähigkeiten und Talente entwickeln und einsetzen können.
Ich bin auch eine Emanze. Weil: „emanzipare“ ist lateinisch und heißt „aus der Hand befreien“ – und darum geht es: selbstständig den eigenen Weg gehen zu können – und sich dann auch selbst aussuchen zu können, wem man in gegenseitiger Freiheit gern die Hand gibt, mit ihm oder ihr Hand in Hand gehen möchte.
Inzwischen ist es schon einige Jahre her, seit ich gemeinsam mit vielen anderen das Österreichische FrauenVolksbegehren initiiert habe. 645.000 Menschen haben es unterschrieben, die Regierung (damals noch die rot-schwarze) hat es fast vollständig ignoriert. Die jetzige Regierung in schwarz-blau arbeitet in vielen Punkten gezielt dagegen. So wurden auch dem Trägerinnenverein des Volksbegehrens, dem UFF (UnabhängigesFrauenForum) die ohnehin mageren Subventionen auf Null gekürzt.
Die Forderungen des FrauenVolksbegehren (und darüber hinaus noch viele andere, die in Richtung tatsächliche Chancengleichheit zielen) bleiben aktuell.
Auch wenn es momentan nicht besonders „cool“ ist, es sich dafür ins Zeug zu legen. Oder wenn es manche nicht jahrelang so intensiv betreiben wollen, dass für fast nichts anderes Zeit bleibt (ist ja auch bei mir der Fall). Darüber habe ich vor kurzem in der Posthof-Zeitung geschrieben:
Entschuldigung. Hm. Frauenpolitik.
Frauenpolitik. Entschuldigung. Ja, schon wieder. Nein, eigentlich nicht schon wieder, sondern noch immer. Ich weiß, irgendwie nervt das Thema. Selbst Feministinnen. Und es ist ja auch kein Wunder, Kritik wird heute so leicht mit Jammern verwechselt, Analyse mit Besserwisserinnentum.
Und die Zeit, in der wir leben, ist eben anders. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt und so, wer tüchtig genug ist, der schafft es schon. „Die“ auch? Also bitte, warum nicht? Nur nicht wehleidig sein in Zeiten wie diesen. Das heißt schon, halb zu den Verlierern zu gehören. Und wer will das?
Trotzdem: Frauenpolitik. Aber: Was das ist? Das, was die Frauenministerin (die sonst auch noch für so Kleinigkeiten wie Gesundheitspolitik zuständig ist, Frauenpolitik ist eben offenbar kein Full-Time-Job) NICHT macht, wäre eine mögliche Definition. An die ich allerdings nicht glaube, Rauch-Kallat macht schon Politik mit Frauen – und vermutlich ist sie auch davon überzeugt, alles gut zu machen.
Bloß was ist gut? Für wen ist es gut?
Wenn man sich anschaut, dass in den letzten Monaten die Arbeitslosigkeit bei Frauen deutlich gestiegen ist (im Oktober waren 108.000 Frauen offiziell arbeitslos, nicht dazu gezählt werden alle Kindergeldbezieherinnen, alle Frauen mit geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, alle Frauen in Schulungsprogrammen und die vielen Frauen, die deswegen nicht arbeitssuchend gemeldet sind, weil sie glauben, keine Chance auf Arbeit zu haben: Wegen mangelnder Kinderbetreuungseinrichtungen, wegen mangelnder Jobs in der Gegend, wegen sozialem Druck durch Männer und Familien, gerade in der Landwirtschaft), dann macht sie „gute“ Frauenpolitik – zum Beispiel im Interesse (und wohl auch getrieben) von Wirtschaftsunternehmen, denen Frauen als möglichst billige Bettlerinnen um Erwerbsarbeit immer recht waren.
Klar gibt es auch Frauen, die ganz bis sehr zufrieden sein können. Da kann man dann im Zigarrenklub (einem renommierten wenn auch etwas miefigen Diskussionszirkel in Wien) schon beinahe feministische Töne spucken, etwas von der gläsernen Decke reden und Frauennetzwerke einfordern, auf dass es endlich mehr Generaldirektorinnen in Österreich gebe. Da nicken die schicken Frauen im Publikum dann, entdecken geradezu revolutionäre Seiten in sich, wollen auch ganz nach oben und erinnern sich daran, dass es im Zuge ihrer beschwerlichen Karriere eine ganze Menge männlicher Wabbler gegeben hat, die mit den richtigen Verbindungen und dem passenden Geschlecht ausgestattet, mühelos an ihnen vorbei in die Chefetagen gezogen sind.
Dabei hab ich gar nichts gegen Frauenpolitik für Karrierefrauen. Aber nur für die? Nein, pardon, das ist auch nicht richtig. Es gibt schon noch eine andere Art von Frauenpolitik, nämlich jene, die für gewisse Männer gemacht wird.
Weil: Wem bringt es etwas, wenn laufend staatliche Gelder weg von Frauen hin zu Prämien für Kinder umgeschichtet werden? Männern, die auf traditionelle Familienverhältnisse stehen. Für die Kinder ist doch so viel Kohle im Haus, dass die Mama nicht arbeiten muss oder bloß ein bissl dazu verdienen darf – vorausgesetzt, sie hat den Haushalt im Griff.
Der Selbstverwicklichungsscheiß außer Haus ist doch wirklich out. Eine emotional richtig entwickelte Frau kann sich doch am Besten daheim bei den Kindern verwirklichen. Neidisch könnte man als Mann werden, solche Frauen und Mütter können nicht nur unserer „Zukunft“ beim Wachsen zusehen, sie mitgestalten – Hand aufs Herz, ist das nicht viel wichtiger, als an der Börse zu spekulieren? – die „Zukunft“ prägen (natürlich sind dann auch die Mütter an den Fehlentwicklungen der nächsten Generation Schuld, bis hin zum Macho-Gehabe gewisser Männer) und: bei gutem Zeitmanagement haben sie darüber hinaus die Möglichkeit, so viel für sich zu tun: Jogakurse, Seidenmalerei, Walking (ist übrigens gut für die Figur und wer will schon eine fette Alte, wenn man das Männchen ist, das das Geld heim bringt, dafür möchte man schon eine Belohnung).
Aber: gibt es nicht auch genug Frauen, die diese Art der Politik für gut halten? Ja schon. Leider. Entweder sie haben mit den Auswirkungen nichts zu tun, weil sie persönlich anders leben (dürfen). Siehe Karrierefrauen (mit Geld lässt sich vieles organisieren, sogar Kinderbetreuung oder genug Ansehen, um nicht dauernd gefragt zu werden, warum man keine Kinder hat), siehe junge Frauen (junge Männer sind oft rührend Partnerschafts-Willig – hat das vielleicht auch etwas mit ihrer Paarungs-Willigkeit zu tun? – allerdings: zu Vätern oder anderen gesellschaftliche Aufsteigern geworden, passen sich die meisten sehr schnell den angesagten Mustern an). Oder es handelt sich dabei um solche Frauen, die wirklich gern bei ihren Kindern sind, auch nichts gegen Hausarbeit haben, selbst die Männerbetreuung (das muss wohl Liebe sein) mit Lust erledigen.
Dagegen ist ja nichts zu sagen – wenn es freiwillig geschieht und wenn man sich von dieser Rolle in eine andere entwickeln kann. Aber man erzählt Frauen sicherheitshalber nicht, dass es sich um ein (schönes oder weniger schönes) Leben auf Zeit handelt: Weil die Kinder groß werden. (Wer keine Kinder betreut, ist jetzt nicht einmal mehr mitversichert.) Weil der Mann spinnert werden kann. Weil man selbst plötzlich drauf kommt, dass einem alles zu eng ist.
Eine Frau, die dann plötzlich allein da steht, war einfach nicht tüchtig genug. Denn bitte, dass man eine gute Ausbildung und einen Beruf braucht, weiß heute doch schon eine jede. Und was heißt, fünfzehn Jahre daheim gewesen? Hätte man da nicht nebenbei an einer Karriere arbeiten können? Ach so, die fehlende Kinderbetreuung. Die fehlenden Jobs. Und jetzt auch noch der Mann (zum Glück oder Unglück) weg – hätte man nicht besser auf ihn aufpassen können? Schöner sein? Klüger sein?
Staatliche Infrastruktur? Bitte, Staat ist zumindest so out wie Frauenpolitik. Und: das kostet ja etwas, auch denen, die sie eh nicht brauchen, weil sie reich genug sind, um sich alles selbst zu organisieren, und das sind gute Lobbys, vor allem vor Wahlen.
Gesellschaftliche Bewusstseinsarbeit? Warum bitte Frauen aufhetzen? Wer wischt dann den Kleinen den Hintern? Wer kümmert sich um den senilen Vater? Wer bügelt? Männer? Lächerlich!
Also: Frauenpolitik. Und ohne Entschuldigung.









