Interview mit Wien Live

Auszüge aus einem Interview mit Wien Live

Was fasziniert Sie so am Genre Krimi?
Mich fasziniert das Geschichtenerzählen, etwas zuzuspitzen, bis es um Leben oder Tod geht.

Wieviel Eva Rossmann steckt in Mira Valensky – abgesehen vom Beruf der Journalistin?
Mira könnte eine gute Freundin von mir sein, aber sie ist nicht ich. Allerdings hab ich ihr einige biographische Details geliehen: Das Alter, das Jusstudium, meine Leidenschaft fürs Kochen und Essen, die Katze Gismo.

Sind Sie selbst auch schon einmal in einen „Fall“ gestolpert? Bzw. Hatten Sie selbst schon einmal mit einem Mordfall zu tun?
Nein, zum Glück nicht. Ich wüßte auch nicht, wie ich agieren würde. Sicher möchte ich herausfinden, was dahinter steckt - aber ich bin nicht besonders mutig und so würde ich die Aufklärung eines Verbrechens in der Realität wohl den SpezialistInnen überlassen …

Wie recherchieren Sie Ihre Krimis – woher nehmen Sie die Details eines Mordfalls?!
Ich suche mir für jeden Krimi zuerst ein Szenario, das mich interessiert. Egal, ob das die “Arisierung” von Wiener Wohnhäusern, ein Wahlkampf, ein Luxushotel in der Karibik oder der Wein oder eine Scheidung ist. Dann überlege ich, was ich darüber nicht weiß, aber brauchen könnte. Zum Glück hab ich als Journalistin das Fragen und Nachfragen, aber auch das Recherchieren im Internet und in Büchern gelernt. Meine aufwendigste Recherche war sicher, dass ich für meinen Restaurant- und Küchenkrimi “Ausgekocht” für einige Monate in Manfred Buchingers “Gasthaus Zur Alten Schule” mitgekocht habe - danach hab ich den Krimi geschrieben, aber das Kochen hat mich nicht mehr los gelassen und so koche ich immer noch dort….

Wie unterscheidet sich das Schreiben fürs Fernsehen (Bsp. Soko Kitzbühel) von dem für Bücher?
Drehbücher und Romane sind etwas sehr Verschiedenes, auch von der Technik her. Nicht nur, dass ich fürs Fernsehen oder den Film viel weniger Text und dafür Bilder brauche, die für sich sprechen: ich muss die Handlung auch so konzentrieren, dass sie in eine gewisse Minutenanzahl passt - und ich will es so machen, dass es trotzdem nicht platt und klischeehaft wird. Fernseharbeit ist außerdem extreme Teamarbeit, ob ein Film gut wird, hängt nicht nur vom Drehbuch ab. Mit Soko Kitzbühel hab ich als fast Neueinsteigerin in dieses Metier ein Riesenglück gehabt: ORF-Redakteur und Filmfirma haben mir eine Menge gelernt, wir haben viel gemeinsam erarbeitet und wenn ich an die Zusammenarbeit mit dem Regisseur für die nächste Folge denke: eine wahre Freude!
Bücher zu schreiben ist deutlich einsamer, aber ich bin auch freier und so ist jeder Krimi auch für mich ein neues Abenteuer ….

Sind Frauen die besseren Detektive?
Glaube ich nicht, vielleicht geht ein Teil der Frauen anders an die Lösung von Fällen heran. Aber das hat wohl weniger mit ihrem biologischen Geschlecht als mit Sozialisation und Erziehung zu tun. Dieses vorsichtigere Herantasten, das Interesse für das Umfeld, die Gabe und Lust, Kontakte und Zugänge zu Menschen zu finden. Zumindest bei männlichen Buch-Detektiven steht oft (zum Glück nicht immer) die Action im Vordergrund.

Inwieweit ist Wien eine Inspirationsquelle bzw. welche Rolle spielt diese Stadt für Sie als Krimiautorin?
Wien ist die Stadt, in der Mira Valensky lebt und sie könnte sonst nirgendwo auf der Welt leben, auch wenn sie immer wieder Ausflüge macht. Wien ist diese oft besprochene Mischung aus Metropole und Kretzl-Kleinstadt, da kocht es …

Was ist Ihr persönlicher/-s Lieblingskrimi/-buch?
Ich entdecke ständig neue, das ist das schöne daran. Jedenfalls mag ich Krimis, die mir etwas über ein Stück Welt erzählen. Die Anhäufung von Leichen interessiert mich nicht.

Welches Ihr Lieblingsgericht?
Duftige, frisch gedämpfte Erdäpfel, die ich heiß aufreiße und mit guter Bauernbutter und Salz esse. (Und wenn sich’s einmal ergibt, darf es auch etwas Kaviar als Beilage sein … )